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HNA Aktuell, Mittwoch, 13. April 2022, Rotenburg-Bebraer Allgemeine / Sport

von | 13. April 2022

Abgang mit Würde

FRAGEN UND ANTWORTEN – zum Bundesliga-Rückzug der Kegler von AN Bosserode

VON ALICIA KRETH

Neuer Fokus auf die Jugend: Nach dem Rückzug der ersten Mannschaft aus der Bundesliga sollen vor allem die Jugendlichen mehr Wettkampferfahrung sammeln. Auf dem Foto stehen Sportwart Tobias Brill (von links), Felix Gärtner, Jugendwart Bodo Bartholomäus und Marlon Bartholomäus. Fotos: Alicia Kreth und Bernd Hakenes

Bosserode – Paukenschlag bei den heimischen Sportkeglern: Bundesligist AN Bosserode zieht sein Team für die kommende Saison 2022/23 aus dem Oberhaus zurück. Dazu Fragen und Antworten:

Was hat den Ausschlag für diesen Entschluss gegeben?

Die Bundesliga-Saison 2021/2022 hat bei allen Spuren hinterlassen. Zahlreiche Verletzungssorgen und zuletzt auch Corona beutelten das Team die gesamte Spielzeit über auf dem Weg zum Klassenerhalt. „Die Saison war ein bisschen holprig, und uns wurden viele Steine in den Weg gelegt“, erklärt Mannschaftskapitän und Sportwart Tobias Brill, dem für beide AN-Mannschaften Woche für Woche immer nur elf Spieler zur Verfügung standen. „Wir hatten nie den Genuss, dass wir viele Spieler zur Verfügung hatten. Bei uns war alles immer Spitz auf Knopf“, so Brill. Und die personelle Situation sieht vor der nächsten Saison noch düsterer aus. „Was da noch übrigt bleibt, ist in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig“, ergänzt der Kapitän.

Welche Veränderungen im Kader stehen denn an?

Andreas Sekulla bat den Verein um seine Freigabe. Er wechselt nach acht Jahren bei AN zurück zu seinem Heimatverein nach Ronshausen. „Er hat mit uns das geschafft, war er wollte – einmal in der Bundesliga spielen“, erklärt Tobias Brill. Zudem beendet Stefan Michel seine Karriere nach 47 Jahren, und Michael Reith – in dieser Saison oft von Verletzungen ausgebremst – legt wegen seiner gesundheitlichen Situation eine Pause ein. Das betrifft auch Thilo Köhler, der kürzer treten möchte.

Und was ist mit der Jugend?

Mit Hannes Killmer sowie Adrian und Marlon Bartholomäus gaben gleich drei Jugendspieler von AN in der kürzlich abgelaufenen Saison ihr Debüt im Kegel-Oberhaus – die Arbeit von Jugendwart Bodo Bartholomäus trägt also Früchte. „In der Bundesliga zu spielen, ist schon etwas anderes, weil der Druck höher ist. In den unteren Ligen steht der Spaß noch mehr im Fokus“, erklärt Marlon Bartholomäus, der zudem mit der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga Nord-Ost Vizemeister wurde. Im Hinblick auf die Bundesliga gibt Tobias Brill aber zu: „Die Jugend braucht noch einen Moment“, sagt der Sportwart und ergänzt: „Den Schritt, den wir nun zurück gehen, gehen wir auch für die Jugendlichen.“ Denn auf sie soll künftig noch mehr Wettkampferfahrung zukommen.

Wie schwer fiel den Verantwortlichen diese Entscheidung?

„Natürlich tut dieser Entschluss weh, aber wir müssen realitisch sein“, gibt Brill zu. Nun müsse man die Vernunft walten lassen. „Es auf Biegen und Brechen in der Bundesliga zu versuchen, ist Quatsch, dann verliert man alles“, sagt auch Sigurd Staniczek. „Ich kenne das noch von vor 40 Jahren. Wenn es einen Schritt zurück geht, dann wird es in ein paar Jahren auch wieder einen Schritt vorwärts gehen“, ergänzt Staniczek, der die Hessenliga für die nächste Saison für realistisch hält. Zudem könne man sich nun erhobenen Hauptes – mit dem Klassenerhalt im Rücken – aus der Bundesliga verabschieden. „So können wir die Fahne von ganz oben ziehen“, sagt Brill.

Wie geht es nun weiter?

Eine Entscheidung, in welcher Liga die AN-Kegler künftig antreten, soll in der nächsten Woche fallen. Dann soll es auch Gespräche mit Klubchef Gerald Buchenau geben, der aktuell noch im Urlaub weilt.

Gab es neben der personellen Situation noch einen anderen Grund für den Rückzug?

Ungewiss wäre auch gewesen, ob der Verein die hohen Kosten in der nächsten Saison noch hätte stemmen können. „Die Bundesliga ist teuer. Da kommt gerade für so einen kleinen Verein wie uns nicht viel bei rum. Andere Vereine schweben da auf anderen Planeten“, erklärt Tobias Brill, ergänzt aber auch: „Das macht mich stolz, dass wir den Klassenerhalt mit so wenigen Mitteln erreichen konnten.“

Was nehmen Brill und Co. aus der Bundesliga mit?

Eine ganze Menge Erfahrung, viele gute Freundschaften mit Keglern aus der ganzen Welt und die Anerkennung anderer Vereine. Dass diese Saison allen in guter Erinnerung bleibt, lag vor allem aber an der guten Kameradschaft im Verein. Vom Schmieren der Brötchen über die Bahnpflege bis hin zum Schreibprozess bei Spielen – in Bosserode lief alles in Eigenregie. „Da muss man auch dankbar für die Hilfe und Unterstützung aus der zweiten Mannschaft sein – das ist alles nicht selbstverständlich. Daran sieht man, dass wir im Verein viel richtig gemacht haben“, sagt Brill, dessen Dank auch den Sponsoren, Fans und Ehrenmitgliedern gilt. „Sie alle haben uns Woche für Woche angefeuert. Jeder hat da sehr viel Stunden und Herzblut reingelegt.“

Info: Die Jugendlichen trainieren mittwochs von 17 bis 19 Uhr im Kegelzentrum in Raßdorf. Ansprechpartner ist Bodo Bartholomäus (z 0 66 78/15 57).