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von | 12. Januar 2022

Das „Vereinchen“ hält gut mit

Bosserodes Kegler sind in der 1. Bundesliga längst angekommen

VON RAINER HENKEL


Unterwegs ins Ziel: Eine Kegelkugel will abräumen. Wie das gelingt, hängt ganz entscheidend von der Beschaffenheit der Bahn ab. Fotos: Swen Pförtner/dpa, Bernd Hakenes
Tobias Brill, Sportwart AN Bosserode

Bosserode – Platz sieben in der Bundesliga zu Jahresbeginn und damit eine berechtigte Chance auf den Klassenerhalt – „das ist schon richtig toll für ein Vereinchen wie uns“, findet Tobias Brill.Das „Vereinchen“ heißt AN Bosserode und hält in der höchsten deutschen Spielklasse der Sportkegler wacker mit. Im guten Tabellenmittelfeld haben die Waldhessen ein ausgeglichenes Konto von Plus- und Minuspunkten, der entscheidenden „Währung“ der Sportkegler. Denn die besagt, wie gut eine Mannschaft sich auswärts auf den Bahnen des Gegners schlägt – oder wie sehr sie sich daheim von starken Gästen den Schneid abkaufen lässt. Eine 1:2-Auswärtsniederlage lässt so manchen Kegler schon feiern, bei einem 2:1-Heimsieg werden die Gesichter der Sieger unter Umständen lang.

Gebildet wird hierzu eine Einzelwertung, in der der Tagesbeste zwölf und der Tagesschwächste einen Punkt erhält. Vereint die Auswärtsmannschaft darin mindestens 31 Zähler auf ihr Sextett, gehört der sogenannte Zusatzpunkt ihr.

Geschaffen wurde diese Wertung, wie Brill erklärt, weil jede Bahn unterschiedlich ist. Da gibt es die Kunststoffbahnen wie in Raßdorf, wo die Bosseröder ihre Heimwettkämpfe austragen, auf denen mehr sachte Würfe gefragt sind, und Holzbahnen, auf denen mehr Kraft vonnöten ist. Ein Satz von Tobias Brill für die Fachleute: „Auf unserer Bahn ist der Weg schwer, aber der Fall gut.“ Zu deutsch: Nicht jeder kommt mit der Bahn zurecht – aber wer sie beherrscht, erzielt gute Zahlen.

Eine Holzbahn hat auch Titel-Mitfavorit Heiligenhaus, auf der die Bosseröder überhaupt nicht zurechtkamen und 0:3 unterlagen. Dafür drehten sie im Rückspiel den Spieß um und schickten die Gäste aus dem Bergischen Land zwischen Essen und Düsseldorf, die mehrere Weltmeister in ihren Reihen haben, mit dem gleichen Resultat nach Hause.

Gegen Düsseldorf setzten sie mit einem weiteren 3:0 noch einen drauf. Dabei spielten sie nahe am eigenen Bahnrekord – „an jedem anderen Spieltag hätte Düsseldorf mit seiner Top-Auswärtsleistung bei uns den Zusatzpunkt geholt“, sagt Brill. An jenem nicht.

Überhaupt festigten sich die Bosseröder gerade auf eigener Bahn, aber nicht nur dort, seit Saisonbeginn immer mehr. Gab es dort zum Serienauftakt gegen Gelsenkirchen noch zu Hause den Verlust des Zusatzpunktes, so wollten sie nun auch auf des Gegners Bahnen punkten. Die Revanche in der Stadt der tausend Feuer allerdings misslang: Dort gab es ein 0:3.

In acht Jahren in den beiden höchsten deutschen Spielklassen haben Brill und seine Mitstreiter übrigens ihre Lieblingsbahnen ausgemacht. „In Hüttersdorf macht’s Spaß, auch in Düsseldorf haben wir uns wohlgefühlt“, sagt der Sportkegler. Weniger gern reisen die Bosseröder dagegen nach Landsweiler, Iserlohn oder Heiligenhaus: „Dort hat man meist keine Chance“, sagt er.

Eine Chance aber wollen die Bosseröder auch in den kommenden Jahren haben – wenn der Klassenerhalt gelingt. Denn im Kader stehen einige Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen. Bislang, so sagt Tobias Brill, gibt es keine Anzeichen dafür, dass sie wechseln wollten.