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Ohne Fans macht’s keinen Spaß

von | 4. März 2021

SPORTKEGELN – Bundesligist AN Bosserode hofft auf Neustart im Juni

Donnerstag, 04. März 2021, Rotenburg-Bebraer Allgemeine / Sport Rotenburg – Bebra, von Rainer Henkel.

Schieben keine ruhige, sondern derzeit gar keine Kugel: die Sportkegler um Bosserodes Tobias Brill. Foto: Bernd Hakenes/nh

Bosserode – Nach etwa einem Drittel der eigentlich angesetzten Spiele ist auch im Sportkegeln die Saison beendet. Betroffen davon sind – wir berichteten – nicht nur die unteren Klassen. Annulliert wurden auch alle Duelle in der höchsten deutschen Spielklasse, der Bundesliga, in die der heimische Vertreter AN Bosserode vergangene Spielzeit erstmals aufgestiegen war.

Und das war unter den gegebenen Umständen sogar im Sinne der Sportler, schildert Tobias Brill, Mannschaftsführer der Bosseröder. In den Whatsapp-Gruppen, in denen sich die Akteure aus mehreren Klubs einer Liga rege austauschten, sei es die vorherrschende Meinung gewesen: „Spiele ohne Zuschauer machen keinen Spaß.“ Die ersten Begegnungen hätten fast den Charakter von Freundschaftsspielen gehabt, richtiges Wettkampfgefühl sei kaum aufgekommen, sagt Brill auch aus eigener Erfahrung. Die Kegler hingen in den Seilen.

Erst recht nach der Saisonunterbrechung, die auch das Training unmöglich machte. Und selbst, wenn das wieder erlaubt würde, wäre keine Chancengleichheit gegeben, „Wir haben ja unsere Bahnen in Raßdorf“, sagt Tobias Brill. Aber vielen Klubs sei so lange jede Trainingsmöglichkeit genommen, wie auch Gaststätten geschlossen seien – denn in deren Räumen spielen und trainieren viele Sportler. Wie es weitergehen soll? „Wir rechnen im April mit Neuigkeiten“, sagt Brill.

Immerhin – ein paar Rückschlüsse darauf, wie die Waldhessen in der höchsten deutschen Liga mithalten können, ließ der Saisonauftakt doch zu. „Auswärts hingen die Trauben extrem hoch“, sagt Brill. Drei 0:3-Niederlagen waren die Konsequenz – siehe Hintergrund. „Die Heimteams haben schon eine ziemliche Qualität.

Auf den eigenen Bahnen in Raßdorf, die für Gäste von jeher schwierig zu spielen waren, gelangen indes drei Siege. Brill: „Da haben wir einen guten Anfang gemacht. Wenn die Spitzenteams der Liga bei uns antreten, wird es interessant.“

Auch wenn es bis zum Start einer etwaigen neuen Saison noch Monate sind, glaubt Brill, dass sich im Team der Bosseröder nicht viel ändern wird. „Keiner will weg“, deutet er an, dass momentan das Team steht. Eher sei vielleicht sogar noch ein Zugang möglich.

Doch das ist Zukunftsmusik für die Bosseröder wie für ihre Gegner. „Wir hoffen, dass wir im Juni wieder loslegen können und es im September mit einer neuen Saison weitergeht“, sagt Tobias Brill. Denn die Premierensaison in der Bundesliga für AN Bosserode,, „die gab es einfach nicht“.

EINWURF

Abbruch ist auch Chance

VON RAINER HENKEL

Das hatten sie sich anders vorgestellt in Bosserode. Die erste Saison in der Sportkegel-Bundesliga – und dann ist nach sieben Spieltagen alles vorbei und zählt nicht einmal. Die Spielzeit wird anulliert. Die Ergebnisse? Futsch. Das Training? Umsonst. Oder?

Nein, nicht ganz. Wie rau das Klima für einen Aufsteiger in der obersten deutschen Spielklasse ist, das mussten die Bosseröder schnell erfahren. Auf den zu Zweitligazeiten vom Gegner so gefürchteten Heimbahnen in Raßdorf waren die Spiele keine Selbstläufer mehr, auswärts war gar nichts zu holen.

AN Bosserode hat, wenn man so will, sechs Spiele lang einen kostenlosen Crashkurs bekommen: Einführung in die erste Liga. Die dort gewonnenen Erfahrungen wird das Team, das ja zusammenbleiben will, verwerten. Und das kann nur ein Vorteil sein, wenn irgendwann im Herbst die Bahnen wieder frei sind – für die dann wirklich erste Bundesligasaison. rai@hna.de